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Martin Sieberers and his Ridge2Ridge project

Martin Sieberers 23-Stunden-Traum zwischen zwei Granitriesen

 

Manchmal gibt es diese Visionen, die sich ganz leise in den Kopf eines Alpinisten schleichen und ihn nicht mehr loslassen. Für den österreichischen Kletterer Martin Sieberer waren das zwei Wände, die sein Bergsteigerherz seit Jahren prägen: der markante Fußstein in seiner Heimat und der majestätische Pizzo Badile. Seine Idee war gewagt wie simpel: Beide Grate direkt miteinander zu verbinden – ohne Motor, ohne fremde Hilfe, vollkommen solo und by fair means.


Dass der Plan aufging, war kein Zufall. Als Vorbereitung hatte Martin bereits eine harte 13-Stunden-Testfahrt absolviert: Von Innsbruck pedalierte er zum Nordgrat des Grundschartners, kletterte die 700-Meter-Route im VI. Schwierigkeitsgrad ebenfalls solo und fuhr direkt wieder zurück. Danach wusste er: Die Form stimmt.


Am Ende standen exakt 23 Stunden und 23 Minuten auf der Uhr, als er sein Herzensprojekt „Ridge2Ridge“ erfolgreich vollendete.


Die Hitze am Hausberg


Sein Abenteuer begann am frühen Nachmittag an der Geraer Hütte. Martin wählte bewusst die glühende Mittagshitze für den Einstieg in die Fußstein-Nordkante, um dem großen Andrang zu entgehen und der Wand in aller Stille zu begegnen. Der Fußstein ist sein Hausberg – hier nahmen seine Sommerabenteuer einst ihren Anfang.


14 Seillängen über 550 Klettermeter mit Schwierigkeiten bis V/V+ forderten auf den glatten Platten sofort volle Konzentration. Um 15 Uhr erreichte er den Gipfel. Viel Zeit zum Durchatmen blieb nicht: Nach ein paar schnellen Beweisfotos ging es direkt an den Abstieg, denn die größte Geduldsprobe stand ihm erst noch bevor.


13 Stunden Einsamkeit im Sattel


Gegen 18 Uhr tauschte Martin Fels gegen Rad. Was folgte, waren 13 endlose Nachtstunden auf dem Gravelbike. Quer durch Österreich, vorbei an geschlossenen Tankstellen und über die Schweizer Pässe Richtung Bergell – 273 Kilometer und fast 2.900 Höhenmeter, während die Welt um ihn herum schlief.


Begleitet wurde er auf dieser langen Etappe von seinem Kumpel Max Dräger, der ebenfalls in die Pedale trat und die Unternehmung dokumentierte. Als in der tiefen Nacht die Beine brannten und die Müdigkeit eiskalt zuschlug, war Max’ Präsenz eine unschätzbare Stütze.

 

Der finale Kampf am Pizzo Badile


Kurz nach 7:30 Uhr morgens erreichte das Duo Bondo. Martins Körper war gezeichnet von der schlaflosen Nacht, doch vor ihm ragte bereits die imposante Nordkante des Pizzo Badile auf: rund 800 Meter vertikaler Granit im Schwierigkeitsgrad V+.
Mit jedem Schritt und jedem Zug im Fels war die Erschöpfung spürbar. An einem der heißesten Tage des Jahres schien der Fels die Hitze regelrecht abzustrahlen. Doch Martins Entschlossenheit war stärker als die Strapazen. Ihm ging es nicht um ein reißerisches Spektakel, sondern um eine ehrliche, saubere Spur:


„Ich wollte meine Spuren hinterlassen, ohne eine physische Spur am Fels zu hinterlassen. So wie ich bei meinen Klettereien und Abstiegen immer darauf achte, sämtliches verwendetes Material wieder mit nach Hause zu nehmen, wollte ich auch die Verbindung zwischen den beiden Bergen möglichst sauber gestalten – ohne externe Unterstützung und ausschließlich mit dem Gravelbike als Fortbewegungsmittel.“

 

Der Moment des Ankommens


Um Punkt 12:23 Uhr war es so weit: Martins Hände berührten das Gipfelkreuz des Pizzo Badile. Hinter ihm lagen 6.700 bewältigte Höhenmeter und eine gewaltige mentale Leistung.
Oben warteten keine Jubelchöre, sondern etwas viel Wertvolleres: der Gipfel ganz für ihn allein, der freie Blick über das Val Masino und das stille Gefühl, einer eigenen Vision treu geblieben zu sein. Und die wohl schönste Belohnung nach diesem Kraftakt? Das Gipfelglück in sich aufzusaugen, und kurz darauf gemeinsam mit seinen Freunden die wohlverdiente Pizza zu genießen.

 

Martin Sieberers while completing his Ridge2Ridge