
Knapp am Podium vorbei: Zwei Athleten, eine gemeinsame Erfahrung
Ein Doppelinterview mit Marcos Villamuera und Peter Fraňo nach der Lavaredo Ultra Trail
Im Trailrunning ist ein vierter Platz etwas Besonderes – irgendwo zwischen dem Stolz auf eine Spitzenleistung und der Enttäuschung darüber, das Podium nur knapp verpasst zu haben. Wir haben mit zwei Athleten aus der SCARPA®-Familie gesprochen, die bei der diesjährigen Lavaredo Ultra Trail in Cortina d'Ampezzo genau diese Erfahrung gemacht haben – wenn auch auf unterschiedlichen Distanzen: der junge Spanier Marcos Villamuera, Vierter über die 50 km, und der Slowake Peter Fraňo, der den vierten Platz über die 120 km belegte. Wir haben mit ihnen über ihre Rennen gesprochen, aber auch über Renntaktik, Belastungssteuerung und die technische Entwicklung des Trailrunnings.
Das Niveau im Trailrunning ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Mit deiner Zeit hättest du vor wenigen Jahren wahrscheinlich auf dem Podium gestanden, vielleicht sogar gewonnen oder einen Streckenrekord aufgestellt. Wie ist das möglich? Wohin entwickelt sich der Trailrunning-Sport?
Marcos: Absolut. Ich denke, meine Zeit hätte letztes Jahr und auch vor zwei Jahren für das Podium gereicht. Das Training hat sich zwar weiterentwickelt, aber nicht so stark, dass sich diese Unterschiede allein dadurch erklären lassen. Was sich wirklich verändert hat, sind Ernährung, die Liebe zum Detail, das Material und das Höhentraining. Heute zählt einfach alles. Es geht nicht mehr nur ums Training, sondern darum, jeden einzelnen Aspekt optimal zu managen.
Peter: Das stimmt. Es gibt immer mehr Profisportler, die zudem immer schneller werden. Auch Schuhe und Bekleidung entwickeln sich ständig weiter und helfen uns dabei, bessere Leistungen zu erzielen. Ich bin überzeugt, dass dieser Sport sein volles Potenzial noch längst nicht erreicht hat. Die Zeiten werden in Zukunft weiter sinken.
Der vierte Platz ist wahrscheinlich der bittersüßeste überhaupt. Bist du mit dem Ergebnis zufrieden oder bleibt trotzdem ein wenig Enttäuschung? Was war dein erster Gedanke im Ziel?
Marcos: Mein erster Gedanke war, dass ich das Podium auf der letzten Abfahrt verloren habe, weil ich mir den Knöchel verstaucht hatte. In diesem Moment war ich überhaupt nicht glücklich – eher ziemlich frustriert. Ein paar Tage später sehe ich das ganz anders und bin wirklich zufrieden mit meinem Rennen. Ich lag fast 40 Kilometer lang auf Rang drei und fühlte mich dabei richtig gut. Es war mein erstes 50-km-Rennen, und das Niveau an der Spitze war extrem hoch. Trotz der Hitze bin ich eine starke Zeit gelaufen, vergleichbar mit den Zeiten von Antonio Martinez oder Luca Del Pero aus den vergangenen Jahren.
Peter: Ich kann nicht sagen, dass ich enttäuscht bin. Ein vierter Platz bei einem so prestigeträchtigen Rennen wie der Lavaredo ist ein sehr gutes Ergebnis. 99 Prozent aller Läufer wären damit glücklich. Ich bin allerdings Perfektionist und möchte immer zu 100 Prozent zufrieden sein. Dieses Mal würde ich sagen, dass ich vielleicht zu 70 Prozent zufrieden war. Als ich die Ziellinie überquerte, war ich einfach froh, dass es vorbei war. In den letzten Rennminuten wurde mir bewusst, was für eine Reise hinter mir lag und wie tief ich gehen musste, um das Ziel in Cortina zu erreichen.

Wenn du die Zeit zurückdrehen und eine einzige Entscheidung oder einen bestimmten Rennkilometer anders gestalten könntest – welcher wäre das? Gibt es etwas, das du bei der Renneinteilung, beim Energiemanagement oder bei der Ernährung bereust?
Marcos: Bis Kilometer 40 bereue ich gar nichts. Ich habe meine Energie- und Flüssigkeitszufuhr gut gemanagt, meine Herzfrequenz und mein Körpergefühl waren nahezu perfekt. Das Problem begann, als ich bei Kilometer 40 ein Gel nehmen wollte. Ich knickte mit dem Knöchel um, stürzte und verlor dabei das Gel. Dadurch war ich auf den letzten 35 Minuten der Schlussabfahrt völlig leer. Das Gel hätte sicher geholfen, aber mit dem schmerzenden Knöchel glaube ich trotzdem nicht, dass ich Lorenzo Rota Martir noch hätte einholen und das Podium erreichen können.
Peter: Ich habe im Rennen einige Fehler gemacht. Wenn ich etwas ändern könnte, dann Folgendes: Ich habe an der Verpflegungsstation bei Kilometer 77 kein Wasser nachgefüllt. Ich dachte, die nächste Station wäre gleich in der Nähe – das war sie aber nicht. Von diesem Moment an hatte ich einige sehr harte Kilometer vor mir und verlor viel Zeit.
Gab es einen Moment, in dem dir bewusst wurde, dass du tatsächlich um einen Platz unter den ersten drei kämpfst? Wie bist du mental damit umgegangen?
Marcos: Mental war das eigentlich kein Problem. Meine Strategie war es, die letzte Abfahrt kontrolliert anzugehen und nicht volles Risiko zu gehen, um dann auf den flacheren und besser laufbaren Abschnitten den Unterschied zu machen. Ich wusste, dass Lorenzo vor mir mit Krämpfen zu kämpfen hatte, also dachte ich, ich könnte ihn mit etwas mehr Druck noch einholen. Nach meinem Sturz und den Schmerzen im Knöchel musste ich diesen Plan allerdings aufgeben. Von da an ging es nur noch darum, irgendwie bis ins Ziel zu kommen.

Gab es während des Rennens einen Moment, in dem du eine echte Krise erlebt hast? Wie hast du sie überwunden?
Peter: Die größte Krise hatte ich zwischen Kilometer 84 und 90. Diese sechs Kilometer fühlten sich endlos an. Ich hatte Durst und überhaupt keine Energie mehr. Mein einziger Gedanke war, einfach weiterzulaufen, die Probleme unterwegs zu lösen und möglichst wenig Zeit zu verlieren.
Welcher Abschnitt der Strecke war technisch am anspruchsvollsten und wie bist du ihn angegangen? Für welche Schuhe hast du dich entschieden?
Marcos: Ich glaube nicht, dass es nur einen technisch anspruchsvollen Abschnitt gab. Es gab mehrere kurze Passagen von etwa 50 Metern Länge, in denen man technisch sauber laufen musste, um keine Zeit zu verlieren. Insgesamt habe ich mich dort sehr wohl gefühlt – vielleicht auch dank eines neuen Schuhprototyps, den ich getragen habe und der bald auf den Markt kommt. Nach dem Rennen waren meine Beine kaum müde, was zeigt, dass auch die Dämpfung hervorragend war. Obwohl der Schuh nicht speziell für sehr technisches Gelände entwickelt wurde, hatte ich das Gefühl, diese Passagen richtig gut gemeistert zu haben. Auf den schnellen, gut laufbaren Abschnitten fühlte er sich einfach unglaublich an.
Peter: Es gab einige technische Passagen, insgesamt ist die Strecke aber sehr schnell und gut laufbar. Der technisch anspruchsvollste Abschnitt liegt wahrscheinlich rund um den Passo Giau. Ich bin mit einem Prototyp gelaufen, der sehr schnell ist und mir auf den laufbaren Abschnitten geholfen hat, ein hohes Tempo zu halten. Mit dieser Wahl bin ich sehr zufrieden.
Ein vierter Platz macht oft hungriger als ein Sieg. Würdest du dem zustimmen?
Marcos: Auf jeden Fall. Jetzt bin ich sogar noch motivierter als zuvor. Ich bin noch jung und habe noch einen langen Weg vor mir – Schritt für Schritt. Momentan schaffe ich Top-5-Platzierungen bei hochklassigen Rennen wie der Lavaredo oder dem Calamorro. Ich möchte dieses Niveau möglichst lange halten und mich Stück für Stück weiter verbessern. Für mich bedeutet Fortschritt nicht unbedingt, mehr oder härter zu trainieren, sondern über die Jahre Erfahrung zu sammeln.
Peter: Absolut. Ein vierter Platz macht noch hungriger, weil man spürt, wie nah der Erfolg war. Mein nächstes großes Rennen ist die CCC Ende August – mein wichtigstes Saisonziel. Ich kann es kaum erwarten.
Wenn du dein Rennen mit nur einem Wort beschreiben müsstest – welches wäre das?
Marcos Villamuera: Flow.
Peter Fraňo: Erfahrung.






