Zum Inhalt springen
Suchen

Warenkorb

Dein Warenkorb ist leer

Climber Solveig Korherr on Histoire Sans Fin

Eine der beeindruckendsten und schwierigsten Granit-Mehrseillängenrouten Europas, am Petite Clocher (2.823 m) in den Schweizer Alpen.


Solveigs Story:


Im August, als endlich meine Semesterferien begannen, traf ich mich mit Soline im Wallis, um unser Projekt anzugehen. Gleich am ersten Klettertag hatte ich es definitiv übertrieben. Danach war ich voll erschöpft, fühlte mich krank und wir mussten früher als geplant absteigen. Zum Glück erholte ich mich nach und nach und gewöhnte mich langsam an die langen Tage in der Wand.


Wir machten Fortschritte, aber die Zeit wurde knapp und wir waren uns beide nicht sicher, ob wir es schaffen würden, alle Seillängen jeweils selbst frei zu klettern. Deshalb begannen wir über eine Teambegehung nachzudenken und die vier schwierigsten Seillängen unter uns aufzuteilen. Nach einer wetterbedingten Pause blieb uns nur noch ein letzter Tag. Obwohl wir mit dem Gedanken an eine Teambegehung einstiegen, wollte ich trotzdem in jeder Seillänge mein Bestes geben und schauen, was möglich war.


Soline kletterte zunächst den 7 c+ Crack, und ich folgte ihr. Danach gelang mir die 7 c Traverse, die ziemlich boulderlastig und fingerkräftig ist.


Als Nächstes kam die 8b+. Beim ersten Versuch fiel ich, fand aber noch ein paar kleine Details, um meine Beta zu verbessern. Im zweiten Versuch gab ich alles – und schaffte es mit ein paar ordentlichen Schreien bis zum Top.


Dann kam die 8b Arete – eine Seillänge, die sich für mich zuvor noch weit davon entfernt angefühlt hatte, überhaupt möglich zu sein. Nachdem Soline unglaublich knapp direkt vor dem Top gefallen war, wollte ich es ebenfalls versuchen. Zu meiner Überraschung fühlte sich plötzlich alles viel besser an. Ich fiel zwar einmal, aber ich wusste: Das könnte gehen.


Nach nur wenigen Minuten Pause stieg ich direkt wieder ein. Ich kam durch die Kantenpassage und erreichte die heikle Querung – einen Abschnitt, den ich vorher kaum richtig ausgecheckt hatte. Vom Stand rief Soline zu mir: “When you don’t know what to do, just full-crimp the shit out of the holds like you always do!” Und genau das habe ich dann mehr oder weniger gemacht. Irgendwie schaffte ich auch noch den letzten Zug und erwischte den guten Griff. Ich konnte es kaum glauben.


Eine schwierige Seillänge blieb noch: der 8a+ Slab. Nicht gerade mein Lieblingsstil und mit meinen bereits blutigen Fingern wusste ich, dass es schmerzhaft werden würde. Ich versuchte, so kontrolliert und präzise wie möglich zu klettern. Als ich die Seillänge schließlich durchstieg, war ich ziemlich überwältigt.


Nur noch eine letzte einfache Seillänge – und dann standen Soline und ich auf dem Gipfel und feierten mit einem Twix, unserem letzten verbliebenen Snack.


Was für ein Abschluss dieses ganzen Abenteuers! Kann mich bitte jemand kneifen?!

 

Climber Solveig Korherr on Histoire Sans Fin


Fotos: Emile Pino @pinopictures