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Climbers in Patagonia during a remote mountain expedition

Caro North, Amelie Kühne, Belen Prados, Julia Cassou


Monatelange Planung zwischen Bariloche, El Chaltén, den USA und Europa. Nachrichten, riesige Gepäcklisten, Vorfreude, eine Idee, die langsam Form annimmt. Dann endlich: unser Zusammenkommen in El Calafate. Wir haben ein Auto, das viel zu klein für das ist, was wir vorhaben. Was nicht reinpasst, wird obendrauf geschnallt. Weiter geht es nach Puerto Natales, der letzte Stopp vor dem schon von Weitem sichtbaren, spektakulären Torres del Paine. Im Redpoint Hostel richten wir uns ein, breiten unser gesamtes Material aus. 20 Tage lang heißt es nun: einkaufen, sortieren, verwerfen, neu packen. Erste Haulbags werden Richtung Wand gebracht, erste Längen geklettert. 


Unser Ziel ist klar und nun auch direkt vor unseren Augen: Die gemeinsame Besteigung des Torres Del Paine in 17 Tagen, bestenfalls frei. Die Vorfreude aber gleichzeitige Ehrfurcht vor der Wand ist riesig. Der Zustieg: 2,5 Stunden zum Campamento Torre, 1,5 Stunden zum Belgier-Biwak, dann nochmal 1,5 Stunden über unwegsames Gelände und einen aperen Gletscher zum Wandfuß. Mit bis zu 35 kg auf dem Rücken wird jeder Schritt länger und gleichzeitig bedeutungsvoller. Vor dem finalen Einstieg in die Wand fixieren wir die ersten Seillängen bis zum „Shattered Pillar“ (L10). Ein nervenzerrender Auftakt: plattige Kletterei, Steinschlag und Eis von oben. Wir werden kreativ beim Klettern, schlagen Haken, legen Mikrocams und nehmen weite Runouts in Kauf. Wir kommen nur langsam voran. Auch beim Haulen erhoffen wir uns schneller zu sein, aber um die 90 Liter Wasser, Essen für fast zwei Wochen, Portaledges, insgesamt sieben Haulbags, tragen sich nicht von alleine die Wand nach oben. 

 

All-female team climbing steep rock pitches on Sudafricana route in Torres del Paine

 

Als schließlich alles am „Shattered Pillar“ ist, warten wir zurück im Hostel auf gutes Wetter. Vergeblich. Es schneit, windet, regnet, Patagonien zeigt sich von seiner stürmischen Seite. Die Tage vergehen wie im Flug, unser Plan schrumpft. 17 Tage werden weniger. Weiter warten oder einfach gehen? Wir gehen. Die Wand empfängt uns hart: Gleich in der ersten Länge wird Belen von einem Stein getroffen und fällt für zwei Tage aus. Ab Länge 13 wird der Fels endlich besser: eine ausdauernde Verschneidung, dann eine boulderige Schlüsselstelle. Frei gelingt uns nicht alles, die winterlichen Bedingungen lassen es einfach nicht zu. Während des Umzugs zum „Boeing Ledge“ (L18) schlägt das Wetter endgültig um, wir werden von einem Sturm überrascht. Spindrifts rauschen an uns vorbei, während wir versuchen, so schnell es geht nach oben zu kommen. Kurz zuvor hatten wir noch bei Sonnenschein die Portaledges abgebaut...das Wetter wechselt hier in einer Sekundenschnelle! 

 

Team ascending a steep rock face in Torres del Paine wilderness

 

Sechs Nächte verbringen wir insgesamt auf dem „Boeing Ledge“. Wasser gibt es nur noch durch den geschmolzenen Schnee, alles ist gefroren. Die drei darauffolgenden Tage arbeiten wir uns weiter nach oben, es folgen fantastische Risskletterei, darunter ein legendärer Offwidth, den wir allerdings im Schneesturm klettern müssen. Dann das Finale:
Am Gipfeltag starten wir um 4 Uhr, jumarn 320 Meter nach oben und hoffen auf Sonne. Die kommt, aber mit ihr auch der Eisschlag. Nach der letzten schweren Länge, die nochmal alles von uns abverlangt: brüchig, eisig, respekteinflößend, folgen noch einige Seillängen und schließlich der Gipfelgrat. Zum ersten Mal spielt das Wetter mit: Sonne und wenig Wind geben uns Sicherheit und Mut immer weiterzugehen. Die Füße schmerzen vor Kälte, die Haut reißt auf, aber wir sind nah dran. Dann die letzten Meter mit tollen Rissen und wir stehen endlich oben. Kein Wind, Wärme, Stille. Ein Moment, der alles trägt. 

 

Lange bleibt uns keine Zeit. Der Abstieg ist lang. Um 1 Uhr nachts sind wir zurück am Portaledge, um 5 Uhr stehen wir wieder auf. Haulbags richten, Fixseile abbauen, Standplätze einrichten, Abseilen, erst tief in der Nacht erreichen wir endlich den Gletscher am Wandfuß. Wir verbringen dort eine weitere Nacht, bevor es zurück nach Puerto Natales geht. Puerto Natales fühlt sich unwirklich an, als wir zurückkommen. Plötzlich können wir, ohne viel Energie aufwenden zu müssen, alles wieder haben. Wir sind super platt aber unglaublich zufrieden und dankbar für dieses Abenteuer, von dem wir nun in unseren warmen Betten aus weiterträumen können. Uns gelang damit die erste reine Frauenseilschaftsbegehung der Sudafricana und eine der wenigen Begehungen überhaupt bis zum Gipfel.

 

Bivouac setup on a vertical wall in harsh mountain weather